8.11
2011

Alchemilla vulgaris – Frauenmantel

Abgeschickt von Dagmar am 8. November 2011 @ 16:31
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Eine Rückschau auf unsere Botanik-Woche mit Dr. Ursula Stumpf im Oktober 2011:

Alchemilla vulgaris – Frauenmantel

Das heimische mehrjährige Heilkraut steht in der Natur an feuchten Plätzen, wie in Feuchtwiesen und an Bachufern und Gräben.

Als das Kraut der „Weiber“ war es den Germanen heilig und ihrer Göttin Freya geweiht. Bei den Christen wurde der Frauenmantel als Pflanze der Jungfrau Maria zum Sinnbild aller Schutzsuchenden.

Frauenmantel fotografiert von Dr. Ursula Stumpf

Frauenmantel fotografiert von Dr. Ursula Stumpf

„Perlkraut“ mit Tautropfen

Die Alchemisten des Mittelalters versuchten, aus dem in den frauenmantelartig gefalteten Blättern befindlichen „Tautropfen“ Gold zu gewinnen. Daher rührt der botanische Name. Auf den mit einer wasserabweisenden Schicht überzogenen Blättern entsteht besonders im Sommer dieser „Tau“, hierbei handelt es sich um von der Pflanze aktiv ausgeschiedenes Wasser.

Das Heilkraut wurde im Mittelalter hoch geschätzt, seine Lobpreisungen gingen sogar soweit, daß man glaubte, er könne das Hymen der Frau wieder zusammenwachsen lassen. Tabernaemontanus rät: „Dieses Kraut in Regenwasser, darin der Schmied das glühende Eisen ablöschen, gesotten und mit demselbigen Wasser die heimlichen Örter der Weiber gewaschen, dringet es dieselbigen zusammen als wenn sie Jungfrauen werend.“

Paracelsus sagte, es gäbe keine Wunde, die der Frauenmantel nicht heilen kann. Äußerlich aufgelegte zerquetschte Blätter helfen bei kleineren Wunden, frische Blätter kaut man bei Zahnweh. Erklären lässt sich die Wirkung mit der enthaltenen Salicylsäure, uns besser in Tablettenform bekannt als Aspirin®. Dieser Bestandteil und enthaltene Tannine lassen die Blätter leicht bitter schmecken, das sollte einen aber nicht davon abhalten, Salat oder ähnliches zuzubereiten, am besten in einer bunten Mischung.

Bei diesen Beispielen von Heilwirkungen wollen wir es bewenden lassen, man kann aber erkennen, daß unsere Ahnen sich sehr wohl zu helfen gewusst haben, und durch eingehende Beobachtung auch ohne Laboranalyse der Natur auf die Schliche gekommen sind.