6.07
2010

Magisches Knabenkraut

Abgeschickt von Dagmar am 6. Juli 2010 @ 11:11
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Wir vom Europa Wanderhotel Chesa Monte**** sind jedes Jahr von der Blumenfülle auf den Wiesen rund um Fiss fasziniert. Eine Kostbarkeit ist das Knabenkraut lat. Dactylorhiza majalis syn. Orchis majalis – im Volksmund auch Liebeswurz genannt.

Es gehört zu den besonderen Erlebnissen bei den geführten Wanderungen Bestände dieser seltenen heimischen Orchideenart in freier Natur zu entdecken. Man findet das Knabenkraut auf ungedüngten und unbearbeiteten Feuchtwiesen und in Quellgebieten. Wie alle heimischen Orchideenarten steht auch das Knabenkraut unter strengstem Naturschutz.

Interessant ist, daß die Wurzel aus zwei Knollen besteht. Eine verwelkt bei der Blüte, die zweite ist für den nächsten Blütenrhythmus bestimmt. Knabenkräuter können 7 Jahre brauchen, bis sie zum ersten Mal blühen.

Magisches:

Eine am Johannistag (24. Juni – übrigens ist das der Fisser Kirchtag!) gegrabene Wurzel wird Johannishändchen genannt und ist ein Glücksbringer. Knabenkraut galt schon immer als Symbol für Fruchtbarkeit und vor allem Liebeskraft. Die pulverisierten Knollen waren vor allem für die Stärkung der Manneskraft ein Geheimtipp.

Das Räuchern der kostbaren Wurzel soll Streitereien zwischen Ehe- und Liebespaaren aus der Welt schaffen und allgemein die Liebe zurückbringen. Legt man ein Wurzelteilchen ins Geldbörsel, so soll – sagt der Volksmund – das Geld niemals ausgehen, sondern sich laufend vermehren.

Orchis majalis - Knabenkraut - Standort Fiss-Ladis/Tirol

Orchis majalis - Knabenkraut - Standort Fiss-Ladis/Tirol

Anwendungen:

Die oberirdischen Teile sind etwas giftig, die Wurzelknollen enthalten eine wertvolle Schleimdroge. Wurzeln der Knabenkrautarten (Salepwurzeln) erhält man in der Apotheke. Sie stammen heute aus Wildsammlungen in osteuropäischen Staaten und Kleinasien.

In der Türkei ist die Pflanze offenbar noch so reichlich vorhanden, daß die Orchideenwurzeln in riesigen Mengen verkauft und verwendet werden. 1 kg Saleppulver kostet in der Türkei nur ca.  Euro 100,– und ist Teil der Speiseeiserzeugung. Die pulverisierten Wurzelknollen geben dem Eis im warmen Klima Konsistenz, damit es nicht zerrinnt. Welche Auswirkungen dies auf das Überleben der Orchideen hat, kann man sich vorstellen.

Bei uns diente die Knolle früher sogar als Futterpflanze für das Vieh. Auch galten vor 150 Jahren 1 Becher Salup und 1 Butterbrot als ideales (und sehr billiges) Frühstück für Handwerker.

Bis weit in die Neuzeit aßen Männer die frische Knolle und meinten, damit ihre Potenz verbessern zu können. Im Orient ist das Pulver der Wurzel noch immer ein Mittel, um verlorene Zeugungskraft wieder zu erlangen.

Saleppulver hilft bei Magenproblemen und Husten. Dazu kocht man eine gepulverte Knabenkrautknolle mit Honig und Wasser zum Sirup.

Vielen Dank an Frau Dr. Ursula Stumpf für die interessanten Informationen.

Frau Dr. Stumpf wird von 3. bis 10. Oktober 2010 wieder im Chesa Monte**** zu Gast sein und einen Workshop zum Thema „Die Apotheke am Wegesrand“ leiten.

Wir freuen uns schon sehr darauf – es sind übrigens noch Plätze frei.